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Laktoseintoleranz

Lange Zeit wurde Kuhmilch als Quelle unangenehmer Symptome wie Magendrücken und Nesselfieber (Bildung von Akne-Beulen an verschiedenen Stellen des Körpers) angesehen. Diese Reaktionen sind jedoch auf eine Laktoseintoleranz oder eine allergische Reaktion gegenüber Milchproteinen zurückzuführen. Bei Säuglingen können beide Lebensmittelreaktionen nebeneinander vorliegen. Milch ist die erste fremde Proteinquelle für einen Säugling und ist eine sehr wichtige Nährstoffquelle; somit kann sie nicht einfach aus der Säuglingsernährung verbannt werden.

Bei einer Laktoseintoleranz können größere Mengen an Laktose, dem bestimmenden Zucker in Milch, nicht verdaut werden. Dieses Unvermögen basiert auf einem Mangel an dem Enzym Laktase, welches normalerweise von den Zellen produziert wird, die den Dünndarm auskleiden. Laktase baut den Milchzucker zu einfacheren Zuckerformen ab; diese können dann in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Wenn nicht genügend Laktase vorhanden ist, um die aufgenommene Menge Laktose zu verdauen, kann die Folge, wenn auch normalerweise nicht besonders gefährlich, sehr besorgniserregend sein. Nicht alle Menschen, die zu wenig Laktase produzieren, zeigen Symptome, diejenigen jedoch, die Symptome zeigen, werden als laktoseintolerant bezeichnet.

Die üblichen Symptome sind Übelkeit, Krämpfe, Blähungen und Durchfall. Sie beginnen ungefähr 30 Minuten bis zwei Stunden nach dem Verzehr von laktosehaltigen Speisen oder Getränken. Die Stärke der Symptome hängt der individuell verträglichen Laktosemenge ab.


Wirkungsweise von Laktase (von www.indiana.edu/~ensiweb/ lessons/tp.milk3.html )

Es sind einige Gründe für Laktose Unverträglichkeit bekannt. Beispielsweise können bestimmte Verdauungskrankheiten und Verletzungen des Dünndarms die Menge der produzierten Enzyme reduzieren. In seltenen Fällen kommen auch Kinder ohne die Fähigkeit, Laktase zu produzieren, auf die Welt. Für die meisten Menschen ist ein Laktasemangel ein Zustand, der sich mit der Zeit natürlich entwickelt. Im Alter von ca. zwei Jahren beginnt der Körper weniger Laktase zu produzieren. Viele Menschen nehmen jedoch selbst im hohen Alter keine Symptome wahr.

Die meisten Menschen nordeuropäischer Abstammung produzieren während ihres gesamten Lebens genügend Laktase, während Laktasemangel bei Menschen aus dem mittleren Osten, aus Indien und aus Teilen von Afrika und ihren Nachkommen auf anderen Teilen der Erde weit verbreitet ist. Ungefähr 70 Prozent der Erwachsenen sind zu einem gewissen Grad laktoseintolerant. In den meisten Ländern Europas weisen ca. fünf Prozent der weißen Bevölkerung einen Laktasemangel auf; der Prozentsatz in anderen ethnischen Gruppen ist weitaus höher.

Die Menge an Milch und Milchprodukten, die zu Symptomen einer Intoleranz führen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Viele Menschen, die eine geringe Darm-Laktase-Aktivität besitzen, können ohne Beschwerden ein Glas Milch trinken. Hartkäse (wegen seines geringen Laktosegehalts) und fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, werden üblicherweise gut vertragen. Das könnte erklären, weshalb Milchprodukte wie Joghurt, die mit Kulturen versehen sind, in den Gebieten der Welt viel verzehrt werden, in denen Laktasemangel verbreitet ist.

Diagnose

Die am häufigsten verwendeten Tests, um die Aufnahme von Laktose im Verdauungssystem zu messen, sind der Laktosetoleranztest, der Wasserstoff-Atemtest (hyrogen breath test) und die Untersuchung des Säuregehalts im Stuhl. Diese Untersuchungen werden auf ambulanter Basis in einem Krankenhaus oder in einer Arztpraxis durchgeführt.

Der Laktosetoleranztest wird auf nüchternen Magern durchgeführt. Es wird eine laktosehaltige Flüssigkeit getrunken. Während einer zweistündigen Zeitspanne werden mehrere Blutproben genommen. Der Blutzuckerspiegel (Blutglukosespiegel) wird gemessen. Dieser zeigt an, wie gut der Körper Laktose abbauen kann.

Normalerweise wird Laktose, sobald sie das Verdauungssystem erreicht, vom Enzym Laktase zu Glukose und Galaktose abgebaut. Die Leber verwandelt Galaktose zu Glukose, welche in den Blutkreislauf eintritt und den Blutzuckerspiegel der Person erhöht. Wenn Laktose unvollständig abgebaut wird, steigt der Blutzuckerspiegel nicht an und eine Laktoseintoleranz wird diagnostiziert.

Der Wasserstoff-Atemtest misst die Menge an Wasserstoff, die ein Mensch ausatmet. Normalerweise ist sehr wenig Wasserstoff nachweisbar. Allerdings wird unverdaute Laktose im Darm von Bakterien vergoren und verschiedene Gase, einschließlich Wasserstoff, werden produziert. Der Wasserstoff wird im Darmtrakt aufgenommen, durch die Blutbahn zu den Lungen transportiert und ausgeatmet. Beim Test trinkt der Patient ein mit Laktose angereichertes Getränk und der Atem wird in regelmäßigen Abständen untersucht. Eine erhöhte Menge an Wasserstoff im Atem zeigt unvollständige Verdauung von Laktose an. Bestimmte Lebensmittel, Medikamente und Zigaretten können die Genauigkeit dieses Tests beeinflussen und sollten vor Durchführung des Tests gemieden werden. Diese Untersuchung ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder anwendbar.

Laktosegehalt in Milch

Die Milch aller Tieren enthält Laktose. Sojamilch enthält keine Laktose, ist aber auch eigentlich ein Saft und keine Milch. Jedoch enthält sie andere Zucker, die manchmal ähnliche Symptome bei laktoseintoleranten Personen auslösen können.

Durchschnittlicher Laktosegehalt in Milch von verschiedenen Tieren
(in Gramm pro 100 ml, von hohem nach niedrigem Laktosegehalt geordnet)

 

Tierart

Fett

Protein

Laktose

Elefant

22,1

3,2

7,4

Schimpanse

3,7

1,2

7,0

Mensch

4,0

1,3

6,5

Pferd

1,6

2,7

6,2

Schaf

9,0

4,7

5,8

Zebra

4,8

3,0

5,3

Kamel

5,4

3,8

5,1

Schwein

5,0

3,7

5,0

Katze

5,0

7,2

4,9

Kuh

3,7

3,3

4,8

Känguru

4,0

3,9

4,7

Ziege

4,1

3,7

4,2

Hund

11,8

8,7

3,3

Ratte

12,0

9,2

3,3

Eisbär

9,5

9,6

3,0

Kegelrobbe

53,2

11,2

2,6

Biber

19,8

9,0

2,2

Kaninchen

10,5

15,5

2,0

Delphin

34,9

10,6

0,9

 

Im Gegensatz zu Menschen, die an einer Kuhmilchallergie leiden, sollten laktoseintolerante Menschen Milch von allen Tieren meiden. Der Gebrauch von Ziegenmilch vermindert die Symptome nicht.

Versteckte Laktose

Obwohl Milch und aus Milch hergestellte Lebensmittel die einzigen natürlichen Quellen sind, wird Laktose oft zu gebrauchsfertigen Lebensmitteln hinzugefügt. Menschen mit einer sehr geringen Verträglichkeit für Laktose sollten über die vielen Lebensmittelprodukte, die auch kleine Menge Laktose enthalten können, informiert sein wie z. B.:

  • Brot und andere Backwaren
  • Frühstücksmüsli
  • Instant-Kartoffeln, Suppen und Frühstücksgetränke
  • Margarine
  • Mittagsfleisch (mit Ausnahme von koscherem Fleisch)
  • Salatdressings
  • Süßwaren und Knabberartikel
  • Backmischungen für Pfannkuchen, Plätzchen und Kekse
  • Pulverisierte Fleischersatz-Präparate

Einige Produkte, die als Nicht-Milchprodukte gekennzeichnet sind, wie Kaffeeweißer und Sahnegarnierungen, können auch Inhaltsstoffe enthalten, die von Milch stammen und deshalb Laktose enthalten können.

Geschickte Käufer lernen es, Etiketten mit Sorgfalt zu lesen, indem sie unter den Inhaltsstoffen nicht nur nach Milch und Laktose suchen, sondern auch nach solchen Wörtern wie Molke, Quark, Milchnebenprodukten, Milchtrockensubstanz und Magermilchpulver. Wenn einer dieser Inhaltsstoffe auf dem Etikett aufgeführt ist, enthält das Erzeugnis Laktose.

Außerdem wird Laktose in mehr als 20 Prozent der verschreibungspflichtigen und in ungefähr sechs Prozent der rezeptfreien Arzneimittel als Grundlage benutzt. Viele Arten von Antibabypillen zum Beispiel enthalten Laktose, genauso wie einige Tabletten für Magensäure und gegen Blähungen. Allerdings beeinträchtigen diese Produkte üblicherweise nur Menschen mit schwerwiegender Laktoseintoleranz.

Auf der Grundlage von http://digestive.niddk.nih.gov/ddiseases/pubs/lactoseintolerance/index.htm und D. Miller Ben Shaul, The composition of the milk of wild animals. In: Animal milk analyses and hand-rearing techniques. International Zoo Yearbook, 1959.

Siehe auch:

Fragen und Antworten >Lebensmittelallergien

 



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